Patientendaten, finanzielle Transaktionen oder hochsensible politische Informationen sollen vor Spionage und Angriffen möglichst sicher sein. Auf dem Campus der Universität Ulm ist mit der neuen Quantum Key Distribution-Strecke ein Stück Forschungsinfrastruktur in Betrieb gegangen, mit der Forschende der Universität und des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt die Übertragung von Informationen mit Quantenschlüsseln testen und weiterentwickeln wollen. Damit beginnt für die Wissenschaftsstadt und die Region eine neue Ära der Quantenkommunikation!
Quantenbasierte Kommunikationstechniken sind die Zukunft der Informationsübertragung: Mit ihnen lassen sich Daten besonders sicher versenden und empfangen, und unbemerkte Lauschangriffe sind nicht möglich. Um an dieser Technik zu forschen, haben die Universität Ulm und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) am Oberen Eselsberg eine gemeinsame Quantum Key Distribution-Teststrecke errichtet und am Montag, 27. Januar, erstmals erfolgreich getestet. „Wir schicken erstmals Bits und Informationen zwischen der Uni Ulm und dem DLR hin und her“, sagte Universitätspräsident Professor Michael Weber. Professor Joachim Ankerhold, Vizepräsident für Forschung, ergänzte: „Das ist der Einstieg in ein Forschungsprogramm, von dem die ganze Region profitieren wird.“ Das DLR bringt seine Expertise in der optischen Kommunikation, Raumfahrt und Quantencomputing in das Projekt ein.
Die rund 2,5 Kilometer lange QKD-Strecke – in Baden-Württemberg ist es die erste zwischen einer Universität und einer außeruniversitären Einrichtung – verläuft zwischen der Uni Ost und dem Institut für Quantentechnologien des DLR. Für den Test standen sowohl Sender als auch Empfänger in einem Labor der Universität. Als Beispiel-Information dienten medizinische Patientendaten, die von einem Computer auf den anderen übertragen und dafür über eine bereits existierende Glasfaserverbindung zum DLR-Institut und wieder zurück versandt wurden. Dies zwar auf konventionellem Weg; der Schlüssel zum Zugang zu diesen Informationen wurde allerdings quantenbasiert übermittelt. Er kann nicht unbemerkt durch einen Hackerangriff abgehört werden. Dieses Szenario wurde ebenfalls simuliert. „Wir können zwar nicht verhindern, dass jemand zuhört, werden es aber aufgrund der Quantenmechanik immer merken“, erklärte Professor Ankerhold. „Dafür nutzen wir die Quanteneigenschaften von Licht.“ Der Quantenschlüssel wird mithilfe von Photonen erzeugt.
Die neue Form der Informationsvermittlung soll insbesondere überall dort zum Einsatz kommen, wo es um hochsensible, persönliche Daten geht, eben wie im medizinischen Bereich. Ein interdisziplinäres Team der Universität Ulm wird die neue QKD-Strecke für die Grundlagenforschung in den Bereichen Kryptografie, Verschränkung von Quantenbits bis hin zu Quantencomputern und Radaranwendungen nutzen; das DLR konzentriert sich auf die anwendungsnahe Forschung und Weiterentwicklung. Auch gemeinsame Experimente sollen stattfinden.
Bild: Kevin Füchsel (links), Geschäftsführer von Quantum Optics Jena, knickt im Labor das Glasfaser-Kabel, das zu einem der Empfänger-Module führt, um einen Hackerangriff zu simulieren. Dr. Matthias Zimmermann vom DLR (Mitte) und Prof. Dr. Joachim Ankerhold (rechts) sehen zu (Foto: Elvira Eberhardt / Uni Ulm)